Interview

Katharinas 11 Fragen an mich im Rahmen der Nominierung zum "Liebster Award" im Jänner 2016


1. Welches Buch liegt gerade auf deinem Nachttisch?
Keines! Ich lese niemals im Schlafzimmer, nur auf der Couch, auf dem Liegestuhl, im Zug oder Bus oder in Wartezimmern.
Ich lese auch immer mehrere Bücher gleichzeitig. Zur Recherche, zur Bildung, zur Unterhaltung und etwas "Einfaches" zum Drüberstreuen. Aktuell also "Krieg und Frieden" von Tolstoi - das liegt schon etwas länger herum, fällt mir ehrlich gesagt schwer, ist so gar nicht mein Genre. Und "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg ...", auch schon etwas älter, aber da ich mich in meiner Freizeit hauptsächlich mit meinen eigenen Manuskripten beschäftige, hinke ich mit dem Lesen etwas hinterher.

 

2. Bevorzugst du Print oder eBook?
Print! Ganz klar. Manchmal bin ich nicht sicher, ob mich das als "altmodisch" abstempelt. Aber ich habe mich am E-Reader versucht und ich kann damit nichts anfangen. Ich liebe den Geruch von Büchern, mag, wenn ich das Cover ansehen kann, sehe wo mein Lesezeichen ist, liebe die Eselsohren die entstehen, wenn es in der Handtasche zwischen den anderen Sachen umherfällt. Ich mag auch das Gewicht meiner Handtasche, weil ich weiß, dass ich ein Buch mit mir umherschleppe. Ich habe keine Scheu es als Untersteller für meine Kaffeetasse zu verwenden, wenn ich gerade nicht lese. Bücher sollen und müssen benutzt und auch verborgt werden. Sie sind nicht allein zum Lesen da und um ins Regal gestellt zu werden. Sie dürfen in sämtlichen Lebenslagen ein Begleiter sein, immer wieder aufs Neue durchgeblättert werden und auch nach vielen Jahren zum zweiten, dritten, vierten Mal gelesen.

 

3. Nach welchen Kriterien wählst du ein Buch in der Buchhandlung / ein eBook im Internet aus?
Gundsätzlich bin ich den Autoren treu, die ich einmal gelesen habe und die mir gefielen. Ich suche immer nach weiteren Werken dieser Autoren. Ich schätze aber auch Buchempfehlungen aus meinem Bekanntenkreis und gehe konkret aufgrund solcher Hinweise in eine Buchhandlung. Sollte ich einmal einfach so in eine Buchhandlung stolpern, dann lasse ich mich dort beraten, erkläre was meine Interessen sind und frage aber auch offen nach, was es lesenswertes gibt. Ich orientiere mich nie anhand von Cover, Position im Regal oder sonstiger werblicher Aufmachung.

 

4. Hast du dir schon einmal gewünscht, mit der Protagonistin / dem Protagonisten eines Buches zu tauschen?
Nein, niemals, aber in der Zeit, in der ich lese, gebe ich mich gerne dem Eindruck und dem Gefühl hin und versuche mich auf die/den Protagonisten einzulassen. Das ist meist eine sehr bereichernde Erfahrung.


5. Wann und wie bist du zum Bloggen gekommen?
Seit Oktober 2015 stelle ich in unregemäßigen Abständen kleine Blogartikel auf meine Homepage. Die Homepage gründete ich mit der Veröffentlichung meines Debütromans um eine Plattform zur Präsentation meines Werkes zu schaffen.

 

6. Welche Ziele verfolgst du mit deinem Blog?
Mit dem Blog selbst verfolge ich kein wirkliches Ziel. Ich möchte nur jenen Lesern oder Interessierten, die auf meine Homepage stoßen gleich im ersten Moment die Möglichkeit bieten, aktuell im Geschehen zu stecken und zu wissen, was rund um meinen Debütroman passiert, wann eine Lesung stattfindet etc.

 

7. Was inspiriert dich zu den Themen für deine Blogbeiträge?
Zu den Blogbeiträgen inspiriert mich nichts, ich will die Leute nur auf dem Laufenden halten. Die Inspiration zum Schreiben meiner Bücher kommt aus den diversen Mißständen unserer Gesellschaft. Und das meine ich nicht anprangernd, und ich nehme mich selbst davon natürlich nicht aus.
 
8. Wirkt sich das Bloggen auf dein übriges Leben aus und wenn ja wie?
Das Bloggen hat keinerlei Auswirkungen auf mein Leben, das Schreiben der Romane jedoch schon. Einerseits ist es ein unglaublicher Zeitdieb. Mein Tag sollte mindestens fünfzig Stunden haben. Gleichzeitig stimmt mich das Schreiben so euphorisch und in anderen Momenten betrübt es mich sehr. Es ist eine wilde Achterbahnfahrt, man weiß nie, was hinter der nächsten Wendung auf einen wartet.

 

9. Was tust du dafür, dass dein Blog bekannt(er) wird?
Ich habe mich auf Facebook mit ein paar Gruppen vernetzt. Bin sehr froh, jetzt diesen Award zu erhalten. Ansonsten kann ich nur auf Mundpropaganda hoffen.

 

10. Welche Jahreszeit bevorzugst du und warum?
Ich liebe den Sommer. Es ist gemütlich warm, man kann barfuß rein und raus, braucht sich nur ein Kleidchen überzuwerfen. Eiscafé, schwimmen, an der Sonne schlafen, abends den Grill einheizen, ein Achtel Wein auf der Terrasse trinken. Herrlich!

 

11. Eine Fee erscheint, welche drei Wünsche hast du an sie?
Weltfrieden - ja, ehrlich! Gesundheit und Unversehrtheit für alle. Und nochmals drei Wünsche... 

Leserkanone.de-Exklusivinterview vom 30.11.2015
 

Im Oktober betrat die Autorin Annette Böhler mit ihrem vom Verlag »Stimme fürs Leben« veröffentlichten Debütroman »Ohne dich wär ich nicht ich« die Buchwelt, einem Liebesroman mit besonders anspruchsvollem Thema. Im Interview mit Leserkanone.de sprach die frischgebackene Autorin über ihr erstes Buch, den umfangreichen Arbeitsaufwand und über ihre zukünftigen Projekte.

– Frau Böhler, vermutlich hat noch nicht jeder Besucher unserer Webseite Notiz von Ihrem Debütroman genommen. Könnten Sie unseren Lesern »Ohne dich wär ich nicht ich« kurz mit eigenen Worten vorstellen?

Natürlich, gerne sogar. Wie der Titel vielleicht schon verrät, es ist ein Liebesroman. Die Geschichte zweier Menschen, die in vielen Dingen verschieden sind, sich davon angezogen, aber auch abgestoßen fühlen. Zwei Menschen, die trotzdem auch Gemeinsamkeiten aneinander entdecken und ihr jeweiliges Gegenüber spannend und faszinierend finden. Ich denke, etwas, das wir alle schon einmal erlebt haben. Aber es geht auch noch um etwas anderes, obwohl ich es gar nicht betonen will, denn es sollte eigentlich unerwähnt sein. Schlussendlich ist es nämlich genau das, was ich mit meinem Werk versuche zu erreichen. Ich habe einen behinderten Protagonisten erschaffen der, in meinen Augen, nicht liebens- und lesenswerter sein könnte. Und am Ende sollte die Behinderung für den Leser genau so wenig ein Thema sein, wie für die Protagonistin.

– Den Lesern welcher anderer Autoren oder welcher anderen Romane würden Sie Ihr Buch ans Herz legen? Haben Sie literarische Vorbilder? Was sind Ihre eigenen Lieblingsromane?

Ich möchte mein Buch gerne jedem ans Herz legen, unabhängig davon, welcher Roman gerade am Couchtisch liegt. Literarische Vorbilder habe ich keine, denn das würde bedeuten, dass ich mir einbildete ihnen jemals das Wasser reichen zu können. Ich lese unfassbar gerne und bewundere andere Autoren seit ich besser um dieses Handwerk Bescheid weiß. Ich erkenne nun genauer, welche Hilfsmittel sie verwenden, aber auch welches unglaubliche Können und Talent in den Werken und Autoren steckt. Dem nacheifern zu wollen, zu glauben, dass ich das jemals könnte, scheint mir zu weit hergeholt. Ich lese von Liebesromanen, über Krimis bis hin zu Dokumentationen alles. Und fast jedes Buch lässt mich verändert zurück. Ich erinnere mich an mein »erstes« Buch, das mich als junge Erwachsene, nach Jahren der Abstinenz wieder zum Lesen brachte. Es war »Morgen in der Schlacht denk an mich« von Javier Marias. Dieses Buch hat mich dermaßen umgehauen, dass ich alle seine Romane verschlang und zur Leseratte mutierte. Ein anderes Werk, an das ich mich außerordentlich gut erinnern kann, weil es von einer Art der Sprache, des Schreibens, des Denkens geprägt ist, die mir so unfassbar wertvoll scheint, die mich zu Tränen rührte, mir Angst machte und am Ende doch Frieden schenkte war »Die Bücherdiebin« von Markus Zusak. Ich weiß nicht, wie ein Mensch in der Lage ist, so etwas wundervolles zu schreiben, wenn die Handlung an sich doch so unfassbar hässlich ist. In meinen Augen ein Meisterwerk.

– Mit der Beziehung zwischen einer Karrierefrau und einem charismatischen rollstuhlfahrenden Mann haben Sie sich gleich in Ihrem Debüt an ein alles andere als alltägliches Romanthema gewagt ... und ein anspruchsvolles obendrein. Was hat Sie zu Ihrem Buch und dem Thema inspiriert? Wie sind Sie die Arbeit an der Geschichte angegangen, um den richtigen Mittelweg aus Ernsthaftigkeit und dennoch unterhaltsamen Buch zu treffen?

Hinter diesen kurzen und einfach scheinenden Fragen verbirgt sich in Wahrheit ganz viel. Eine ausführliche Beantwortung würde Seiten in Anspruch nehmen. Kurz auf den Punkt gebracht sage ich, der Wunsch und der Drang zu Schreiben überfiel mich ganz plötzlich, vielleicht auch deshalb, weil diese Geschichte in irgendeiner Form schon seit jeher in mir existierte. Ein einfaches Kindheitserlebnis legte meiner Meinung nach den Grundstein zu diesem Roman, begründete in mir das Interesse am Thema Behinderung und der Frage, wie diese Menschen ihren Alltag leben. Jahre später kam ich erstmals selbst in die Position mich als Frau diskriminiert zu fühlen. Diese Empfindung war mir gänzlich neu, schockierte mich. Zeitgleich fragte ich mich, ob und wie andere Menschen unter Diskriminierungen leiden. Und dann, driftete ich ab von der Realität hin zur Fiktion, erkannte, dass wir alle nicht nur im wahren Leben diskriminiert und in Schubladen gesteckt werden, sondern auch in der Literatur. Wie viele Werke bedienen sich gängiger Klischees und Vorurteile? Und so fand sich der Drang zum Schreiben in dem Wunsch etwas Ehrliches zu schaffen wieder. Die Arbeit selbst ging ich zu Beginn sehr ernsthaft, sehr strukturiert an, um mich dann, nachdem ich meine Fragen und Unwissenheiten geklärt hatte, ganz auf meine Gefühle einzulassen und meiner Kreativität zu vertrauen.

– Welcher Aufwand steckt generell in Ihrem Buch, waren Sie sehr lange mit dem Stoff beschäftigt, ehe Sie den Schlusspunkt an den letzten Satz setzen konnten? Hatten Sie von Anfang an damit gerechnet, dass das Schreiben eines ganzen Buches so viel - oder so wenig - Arbeit bereiten würde? Oder war der Weg vom ersten Satz bis zum fertigen Buch für Sie selbst ein Pfad voller Überraschungen?

Ja! Das alles ist eine riesengroße Überraschung für mich. Der Wunsch zu Schreiben entstand aus der Furcht heraus, einmal nicht mehr zu sein. Und, wie in der vorigen Frage kurz erklärt, als ich mich in einer Lebensphase befand, die mich belastete, spielte so vieles zusammen, dass es nur zum Schreiben führen konnte. Aber ich hatte nie vor einen Roman zu schreiben. Erst als ich die hundert Seiten knackte dämmerte mir, was ich da wahrscheinlich tat. Und dann hielt ich inne, überlegte, sagte mir, okay, wenn ich schreibe, dann richtig. Ich begann zu recherchieren, Fachliteratur zum Thema Querschnittlähmung zu lesen, trat diversen Blogs bei, tummelte mich auf sämtlichen Plattformen. Gleichzeitig las ich Stilbücher, schließlich hatte ich keine Ahnung wie man einen Roman schreibt. Und nach all der Recherche und nach der unglaublichen Unterstützung, die ich von einem Interviewpartner erhielt, machte ich mich ans Werk. Die rein geistige Arbeit dauerte etwa ein Jahr, bis ich alle Informationen gesammelt hatte, sich in mir eine Geschichte entwickelte. Die erste Niederschrift erledigte ich in etwa drei Monaten, die Überarbeitung dauerte ein halbes Jahr. Dann reichte ich das Manuskript bei den Verlagen ein. Also nein, ich wusste nicht, wie unglaublich viel Arbeit es ist ein Buch zu schreiben. Ich hatte das nie geplant, ich habe das Gefühl, irgendwie ist mir das passiert. Eine unfassbar arbeitsintensive Zeit liegt hinter mir. Gleichzeitig eine Zeit, die mein Leben reich an Wissen macht, über andere Menschen, aber auch über mich selbst.

– Wie ist es eigentlich dazu gekommen, dass Sie unter die Autorinnen gegangen sind? Und weshalb haben Sie sich dafür entschieden, den »klassischen Weg« über einen Verlag zu wählen, anstatt Ihr Buch in Eigenregie zu vermarkten, wie es heutzutage sehr viele frischgebackene Autorinnen machen?

Nun, wie ich unter die Autorinnen gekommen bin, wissen Sie jetzt. Das war reiner Zufall! Aber eben weil ich nie Autorin sein wollte, bis zum Schluss für mich schrieb, niemals daran glaubte etwas von Wert zu schaffen, es aber innigst hoffte, lag auf der Hand, dass ich mein Manuskript niemandem zeigen wollte. Mein Mann war es, der forderte, die ganze Arbeit nicht auf sich beruhen zu lassen, sondern es zu versuchen. Und so war klar, dass nur ein klassischer Verlag in Frage kam. Dies wäre der Beweis, so dachte ich, dass mein Manuskript Qualtität habe, wenn ich angenommen würde. Würde ich abgewiesen, wüsste ich, dass ich fürs Schreiben eben kein Talent hätte. Heute weiß ich, dass das nur die halbe Wahrheit ist. Auch talentierte Autoren werden von Verlagen abgewiesen und so mancher Verlag druckt auch Werke eines schlechten Autors. Aber es ging auch noch um etwas anderes, es ging noch immer um die tiefe Angst einfach verloren zu sein. Der Wunsch, meine Gedanken, schwarz auf weiß, gedruckt als Buch, von einem Verlag, der für lesenswert erachtet, was ich geschrieben habe, in Händen zu halten, in mein Regal zu stellen und für immer zu bleiben.

– Was wünschen Sie sich vom deutschsprachigen Buchmarkt und von Ihrer Leserschaft im Speziellen? Haben Sie in den ersten Wochen seit ihrem Romandebüt schon einige Eindrücke gesammelt oder gibt es Vorschläge und/oder Kritikpunkte, die Sie mit Ihren Lesern teilen oder Ihnen mitteilen möchten?

Eigentlich erwarte ich gar nichts. Ich weiß wie schwer es ist als Debütautorin LeserInnen zu finden. Jeden Tag erscheinen so viele neue Bücher, das macht es für Buchhändler und auch Leser schwer sich zu entscheiden. Deshalb bin ich Ihnen - liebes Lesekanone-Team - sehr dankbar mein Werk hier vorzustellen, den Lesern zugänglich zu machen. Und ich bin jedem Leser für seine Weiterempfehlung dankbar. In meinem privaten Umfeld funktionierte das ganz gut, ich hatte mit dem großen Interesse rund um mein Buch gar nicht gerechnet. Auch nicht mit der wunderbaren Unterstützung der örtlichen Buchhändler, die mein Debüt gerne in ihr Sortiment aufnahmen.

– Was können wir von der Autorin Annette Böhler in der nächsten Zukunft erwarten? Sind bereits neue Buchprojekte in Planung?

Natürlich! Ich bin so richtig auf den Geschmack gekommen, kann die Finger gar nicht mehr von der Tastatur lassen. Im Jänner steht erstmal die offizielle Buchpräsentation samt Lesung an, ein Highlight für mich. Danach sollte etwas Ruhe einkehren und mir erlauben mich ganz auf meinen zweiten Roman einzulassen. Ich stecke jetzt etwa in der Hälfte der ersten Niederschrift, es liegt also noch ganz viel Arbeit vor mir, aber darauf freue ich mich sehr. Mein Nachfolgewerk zeigt die Geschichte eines Ehepaars, das sich im Laufe der Jahre auseinandergelebt hat. Die familiäre Idylle nur ein Schein. Es kreist um die Frage, was ist Liebe, und wie hält man sie fest. Geht es also in meinem ersten Werk um das Entstehen von Liebe, so geht es hier um deren Ende. Aber eine Sache wiederholt sich, mein Erstlingswerk pocht auf die Gleichwertigkeit eines jeden Menschen, und so wird es auch mein zweiter Roman tun. Nur der Schauplatz ändert sich. Der Protagonist verbringt viel Zeit bei Hilfseinsätzen, setzt sich auch unter Aufbietung seines eigenen Lebens für die Wahrung der Menschenrechte in den abgelegensten Regionen dieser Erde ein. Klar, dass die Ehe darunter leiden muss, vielleicht sogar daran scheitert.... Aber diese Geschichte muss noch entstehen. Jetzt geht es um mein Erstlingswerk »Ohne dich wär ich nicht ich« und darum, dass ich jede Sekunde genieße, die sich rund um dieses Werk dreht. Ich habe so viel investiert, jeder Leser, jedes Feedback, ist ein unglaublicher Lohn für mich.

Herzlichen Dank für die Möglichkeit mein Buch präsentieren zu dürfen. Ich hoffe, ich konnte den einen oder anderen neugierig machen...

Das Team von Leserkanone.de dankt Annette Böhler für die Zeit, die sie sich genommen hat!